COPSOQ oder DearEmployee Survey: Welches Befragungsinstrument passt?

COPSOQ oder DearEmployee Survey: Welches Befragungsinstrument passt?

Die Frage kommt meist im selben Moment: Das Projekt ist beschlossen, das Budget steht, und dann will jemand wissen, mit welchem Fragebogen eigentlich gemessen wird. COPSOQ, weil der Betriebsrat den Namen kennt? Oder der DearEmployee Survey, weil er tiefer geht? Beide Verfahren sind wissenschaftlich validiert, beide laufen auf derselben Plattform. Die Entscheidung hängt an fünf konkreten Punkten, nicht an einer Rangliste.

Verfasst von Dr. Daniel Fodor

Auf einen Blick

  • Beide Instrumente sind validiert. Es gibt keine fachlich falsche Wahl, sondern eine, die zu deiner Ausgangslage passt.
  • Der COPSOQ ist das öffentlich dokumentierte Standardverfahren. Die deutsche Standardversion umfasst 86 Fragen zu 33 Skalen (Stand Februar 2026, FFAW), das Ausfüllen dauert etwa 20 Minuten.
  • Der DearEmployee Survey ist ein eigenständiges, als Spin-off der FU Berlin entstandenes und im Dorsch gelistetes Verfahren: adaptiv, modular, mit Freitextanalyse und enger Anbindung an die Maßnahmenplanung.
  • Externe Vergleichswerte aus der FFAW-Referenzdatenbank mit über 800.000 Befragten gibt es nur, wenn die Befragung über die FFAW selbst läuft. Wer den COPSOQ auf einer anderen Plattform einsetzt, vergleicht intern.
  • Fünf Fragen klären die Wahl meistens: Nennung in einer Ausschreibung, Lage in der Mitbestimmung, Bedarf an externen Vergleichswerten, gewünschte Analysetiefe, Kontinuität über mehrere Runden.
  • Was nach der Befragung passiert, ist in beiden Fällen identisch: dieselbe Auswertung nach Tätigkeitsbereichen, dieselbe Maßnahmenableitung, dieselbe Dokumentation nach § 6 ArbSchG.

Was ist eine COPSOQ-Befragung?

Eine COPSOQ-Befragung ist eine standardisierte Beschäftigtenbefragung mit dem Copenhagen Psychosocial Questionnaire, mit der Unternehmen psychische Belastung bei der Arbeit erfassen. Die deutsche Fassung pflegt die Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW), aktuell als COPSOQ III. Beschäftigte beantworten 86 Fragen, die zu 33 Skalen gebündelt werden, gruppiert in fünf Themenblöcke: Anforderungen, Einfluss und Entwicklungsmöglichkeiten, soziale Beziehungen und Führung, weitere Faktoren sowie Auswirkungen.

Der Fragebogen selbst ist frei einsehbar und über das internationale COPSOQ-Netzwerk unter einer Creative-Commons-Lizenz nutzbar. Aufbau, Skalen und Versionen erklärt der ausführliche Beitrag zum COPSOQ, die aktuelle Fassung im Detail der Beitrag zu COPSOQ III.

Was der DearEmployee Survey ist

Der DearEmployee Survey ist ein eigenständiges, wissenschaftlich validiertes Verfahren, entstanden als Spin-off der FU Berlin und im Dorsch, dem Lexikon der Psychologie, als Verfahren gelistet. Er integriert etablierte Skalen, darunter den COPSOQ, und geht mit eigenen validierten Modulen darüber hinaus.

Seine Treiber gliedert er in sieben Handlungsfelder: Person, Aufgabe, Organisation, Raum & Zeit, Team, Führungskompetenz und Kultur. Damit deckt er die sechs Gestaltungsbereiche der GDA adaptiv ab. Adaptiv heißt: Die Befragung passt sich an Tätigkeit und Ausgangslage an, statt allen dieselben Fragen zu stellen. Ein zweites Merkmal ist die Freitextanalyse. Wer bei einem Treiber wie Arbeitsintensität einen kritischen Wert angibt, kann in Anmerkungen präzisieren, woran es liegt, etwa an zu vielen Meetings, an unzuverlässigen Arbeitsmitteln oder an spontanen Zusatzaufgaben. Aus dieser Ebene entstehen Maßnahmen, die nicht am Symptom ansetzen.

Die Unterschiede, die in der Praxis entscheiden

COPSOQ III (deutsche Standardversion) DearEmployee Survey
Umfang 86 Fragen, 33 Skalen, ca. 20 Min. adaptiv, modular, Länge abhängig von Tätigkeit und Modulwahl
Struktur fünf Themenblöcke, feste Fragenliste für alle sieben Handlungsfelder, 46 Treiber, tätigkeitsabhängige Auswahl
Herkunft FFAW, deutsches COPSOQ-Netzwerk Spin-off der FU Berlin, im Dorsch gelistet
Bekanntheit außen hoch, öffentlich dokumentiert, in Ausschreibungen genannt in der Fachwelt etabliert, kein öffentlicher Standardname
Externe Vergleichswerte ja, aber nur über eine Befragung durch die FFAW eigene Vergleichswerte aus den Befragungen auf der Plattform
Ursachenebene Skalenwerte plus Freitextfeld Treiberwerte plus systematisch ausgewertete Anmerkungen
Anpassung an den Betrieb nicht vorgesehen, der Wortlaut ist festgelegt vorgesehen, über Module und Tätigkeitsbezug
Sprachen 28 Sprachen über das Netzwerk mehrsprachig, Umfang projektabhängig

Zwei Zeilen dieser Tabelle verdienen eine Erklärung, weil sie in Gesprächen regelmäßig missverstanden werden.

Der Wortlaut des COPSOQ ist bewusst unveränderlich. Die Nutzungsbedingungen des COPSOQ-Netzwerks verlangen, dass die Kernfragen vollständig und unverändert enthalten sind. Eine gekürzte oder umformulierte Fassung darf nicht mehr COPSOQ heißen. Das ist keine Schikane, sondern der Grund, warum sich Ergebnisse überhaupt vergleichen lassen. Es bedeutet aber auch: Ein COPSOQ, der an deine Branche angepasst wird, ist kein COPSOQ mehr.

Die externen Vergleichswerte hängen am Anbieter, nicht am Fragebogen. Die FFAW-Referenzdatenbank enthält die anonymisierten Angaben von über 800.000 Befragten aus mehr als 2.200 Projekten. Sie ist Bestandteil der Befragungs- und Auswertungsleistung der FFAW und kein separat erhältliches Produkt. Wer den COPSOQ selbst oder über einen anderen Anbieter einsetzt, nutzt also denselben validierten Fragebogen, bekommt aber nicht automatisch denselben externen Vergleich. Was das für die Ergebnisinterpretation heißt, behandelt der Beitrag zum COPSOQ-Benchmark.

Fünf Fragen, die die Entscheidung meistens klären

1. Steht ein Instrument in der Ausschreibung?

Manche Vergabeunterlagen, besonders im öffentlichen Sektor, nennen ein konkretes Verfahren. Dann ist die Frage beantwortet, bevor sie gestellt wird. Prüf das früh, weil es die Diskussion verkürzt.

2. Wie steht die Mitbestimmung dazu?

Ein Verfahren, dessen Fragebogen der Betriebsrat vollständig einsehen kann und das nicht vom Anbieter stammt, nimmt der Diskussion einen Streitpunkt. Das ist ein praktisches Argument aus Projekten, keine belegte Gesetzmäßigkeit. Was rechtlich tatsächlich mitbestimmt ist und wie eine Rahmenvereinbarung dazu aussieht, steht im Beitrag zu COPSOQ und Betriebsrat.

3. Brauchst du wirklich externe Vergleichswerte?

Die Pflicht aus § 5 ArbSchG verlangt keinen Benchmark. Sie verlangt, dass du Gefährdungen ermittelst, beurteilst, Maßnahmen ableitest und das Ergebnis dokumentierst. Externe Vergleichswerte helfen bei der Einordnung und in der internen Kommunikation, ersetzen aber keinen einzigen dieser Schritte. Wenn der externe Vergleich für dich das ausschlaggebende Kriterium ist, ist die Befragung über die FFAW der direkte Weg dorthin.

4. Wie tief willst du kommen?

Ein Skalenwert sagt dir, dass die Arbeitsintensität in der Produktion kritisch ist. Er sagt dir nicht, ob das an der Personaldecke, an unzuverlässigen Maschinen oder an zu vielen Abstimmungsterminen liegt. Für die erste Beurteilung reicht der Wert. Für Maßnahmen, die etwas verändern, brauchst du die Ebene darunter, und dort liegt die Stärke eines adaptiven Verfahrens mit systematischer Freitextauswertung.

5. Ist das eine einmalige Sache oder der Anfang eines Zyklus?

Wer alle zwei Jahre messen will, profitiert von einem Instrument, das sich an die eigene Organisation anpasst und dessen Ergebnisse direkt in die Maßnahmenplanung laufen. Wer eine einmalige, klar dokumentierte Standortbestimmung mit einem bekannten Namen braucht, ist mit dem COPSOQ gut bedient.

Was gleich bleibt, egal welches Instrument läuft

Bei DearEmployee entscheidet das Unternehmen, welcher Fragebogen läuft, nicht die Plattform. Der DearEmployee Survey und der COPSOQ stehen zur Wahl, weitere Verfahren kommen hinzu. Die Auswahl wächst, das Vorgehen darüber bleibt gleich.

Denn der Nutzen entsteht eine Ebene über dem Fragebogen. Welches Instrument auch misst: Die Ergebnisse landen in derselben Auswertung nach Tätigkeitsbereichen, münden in dieselbe Priorisierung von Maßnahmen und in dieselbe Dokumentation nach § 6 ArbSchG. Der Fragebogen liefert die Rohdaten. Was daraus wird, hängt an der Analyse und an der Maßnahmenarbeit.

Wer noch weiter oben ansetzen will, findet im Überblick zu den Instrumenten der psychischen Gefährdungsbeurteilung auch KFZA und BASA II im Vergleich.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist der COPSOQ besser als der DearEmployee Survey?

Nein, und umgekehrt auch nicht. Beide sind validierte Verfahren mit unterschiedlichen Profilen. Der COPSOQ punktet mit öffentlicher Dokumentation und Bekanntheit, der DearEmployee Survey mit Adaptivität, Ursachenanalyse und Maßnahmenanbindung.

Erfüllt eine COPSOQ-Befragung die gesetzliche Pflicht?

Der COPSOQ ist ein geeignetes Erhebungsinstrument, und die FFAW verweist darauf, dass die BAuA ihn als geeignet listet. Eine Befragung allein erfüllt die Pflicht aus § 5 und § 6 ArbSchG aber nicht. Dazu gehören die Beurteilung der Ergebnisse, abgeleitete Maßnahmen, deren Umsetzung, die Wirksamkeitskontrolle und die Dokumentation.

Kann ich den COPSOQ an mein Unternehmen anpassen?

Nur begrenzt. Die Nutzungsbedingungen des COPSOQ-Netzwerks verlangen, dass die Kernfragen unverändert enthalten bleiben. Die FFAW stellt kostenfreie Zusatzmodule bereit, etwa zu Homeoffice oder Kontakt mit Kundschaft. Eine gekürzte oder umformulierte Eigenfassung darf den Namen COPSOQ nicht tragen.

Bekomme ich die COPSOQ-Vergleichswerte auch außerhalb der FFAW?

Nein. Die Referenzdatenbank ist Teil der Befragungs- und Auswertungsleistung der FFAW. Wer den COPSOQ über einen anderen Anbieter einsetzt, nutzt denselben Fragebogen, bekommt aber den externen Vergleich aus dieser Datenbank nicht dazu.

Kann ich das Instrument später wechseln?

Ja. Auf einer Plattform, auf der der Fragebogen die Variable ist, lässt sich das Instrument wechseln oder ergänzen, ohne den Auswertungs- und Maßnahmenprozess neu aufzusetzen. Ein Wechsel unterbricht allerdings die direkte Zeitreihe auf Skalenebene, weil unterschiedliche Instrumente unterschiedlich messen.

Was kostet eine COPSOQ-Befragung?

Der Fragebogen selbst ist kostenfrei. Für die Durchführung entstehen Kosten je nach Anbieter und Umfang. Die FFAW veröffentlicht ihre Preise: 1.200 Euro netto bis 50 Personen, 2.410 Euro bei 100 Personen, 9.820 Euro bei 1.000 Personen (Preisliste gültig seit März 2024).

Nächster Schritt

Du bist unsicher, welches Instrument in deiner Lage das richtige ist? Buche eine kostenlose Demo, und wir gehen die fünf Fragen von oben in 30 Minuten an deinem Fall durch.

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