Das Anforderungs-Kontroll-Modell (englisch: Job Demand-Control Model) ist eines der einflussreichsten Modelle der Arbeitspsychologie. Es wurde von Robert Karasek (1979) entwickelt und erklärt, wann Arbeit krank macht: nicht durch hohe Anforderungen allein, sondern durch die Kombination aus hohen Anforderungen und geringem Entscheidungsspielraum.
Die zwei Dimensionen des Modells
- Anforderungen (Demands): Arbeitsmenge, Zeitdruck, Konzentrationsanforderungen, widersprüchliche Erwartungen.
- Kontrolle (Decision Latitude): Wie viel Einfluss Beschäftigte darauf haben, was sie wie und wann tun – ihr Handlungsspielraum plus die Möglichkeit, Fähigkeiten einzusetzen.
Die vier Job-Typen
Aus der Kombination beider Dimensionen ergeben sich vier Tätigkeitstypen:
- High-Strain-Jobs (hohe Anforderungen, wenig Kontrolle): das höchste Gesundheitsrisiko – typisch etwa für Fließbandarbeit mit Taktvorgabe oder Callcenter mit striktem Skript.
- Active Jobs (hohe Anforderungen, viel Kontrolle): fordernd, aber lernförderlich – hier entsteht Entwicklung.
- Low-Strain-Jobs (niedrige Anforderungen, viel Kontrolle): entspannt, aber wenig aktivierend.
- Passive Jobs (niedrige Anforderungen, wenig Kontrolle): unterfordernd, auf Dauer demotivierend und kompetenzabbauend.
Später wurde das Modell um die Dimension der sozialen Unterstützung erweitert (Johnson & Hall): Rückhalt von Kolleg:innen und Führungskräften puffert die Wirkung von High-Strain-Bedingungen ab.
Vom Modell zur Praxis: die GB Psych
Das Anforderungs-Kontroll-Modell ist die theoretische Grundlage dafür, was die psychische Gefährdungsbeurteilung misst: Arbeitsintensität und Handlungsspielraum gehören zu den Kernfaktoren jeder Befragung nach § 5 ArbSchG. Wer beide Werte pro Tätigkeitsbereich kennt, findet die High-Strain-Bereiche im eigenen Unternehmen – und weiß, wo Maßnahmen am dringendsten sind. Wie das praktisch abläuft, zeigt unsere GB-Psych-Übersicht.
Häufige Fragen
Was besagt das Anforderungs-Kontroll-Modell?
Psychischer Stress entsteht vor allem dann, wenn hohe Arbeitsanforderungen auf geringen Entscheidungsspielraum treffen. Kontrolle wirkt als Puffer: Dieselben Anforderungen sind mit Handlungsspielraum deutlich besser zu bewältigen.
Was ist ein High-Strain-Job?
Eine Tätigkeit mit hohen Anforderungen und wenig Kontrolle – die Kombination mit dem höchsten Risiko für Stressfolgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Beschwerden.
Wie unterscheidet sich das Modell vom Job-Demands-Resources-Modell?
Das JD-R-Modell verallgemeinert den Ansatz: Statt nur Kontrolle betrachtet es alle Arbeitsressourcen (z. B. Feedback, soziale Unterstützung, Entwicklungsmöglichkeiten) als Gegengewicht zu allen Arten von Anforderungen.
