Glossar

Glossar für Arbeitsweltverbesser:innen

Begriffe von DearEmployee, New Work sowie Arbeits- und Organisationspsychologie

Fehltage

Fehltage sind Arbeitstage, an denen Beschäftigte krankheitsbedingt nicht arbeiten. Als Kennzahl gehören sie zu den am häufigsten genutzten Indikatoren für die Gesundheit einer Organisation – und zu den am häufigsten missverstandenen.

Fehltage als Kennzahl

Die gängigsten Größen rund um Fehlzeiten:

  • Fehltage (AU-Tage): Anzahl der krankheitsbedingten Abwesenheitstage, meist pro Person und Jahr.
  • Krankenstand / Fehlzeitenquote: Fehltage geteilt durch Soll-Arbeitstage, in Prozent – die Vergleichsgröße zwischen Abteilungen, Branchen und Jahren.
  • Falldauer und Fallhäufigkeit: Wenige lange Fälle deuten auf andere Ursachen hin als viele kurze.

Was Fehltage aussagen – und was nicht

Fehltage sind ein Spätindikator: Sie zeigen Probleme erst, wenn Menschen bereits ausfallen. Zwei blinde Flecken kommen dazu. Erstens der Präsentismus – wer krank zur Arbeit kommt, taucht in keiner Statistik auf, verursacht aber Leistungs- und Gesundheitskosten. Zweitens verraten Fehltage nichts über Ursachen: Ein hoher Krankenstand kann an Grippewellen, körperlicher Belastung, Führung oder Arbeitsklima liegen. Auffällig ist außerdem die Struktur: Die Gesundheitsreporte der großen Krankenkassen zeigen seit Jahren steigende Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen – mit überdurchschnittlich langen Falldauern.

Von der Kennzahl zur Ursache

Fehltage sagen, dass etwas ist – nicht warum. Wer die Ursachen kennen will, muss die Arbeitsbedingungen untersuchen: Die psychische Gefährdungsbeurteilung ist dafür das systematische (und nach § 5 ArbSchG verpflichtende) Instrument. Kombiniert mit Kennzahlen wie Fehltagen zeigt sie, welche Belastungen in welchen Tätigkeitsbereichen hinter den Ausfällen stehen – und wo Maßnahmen wirken. Mehr in unserer GB-Psych-Übersicht.

Häufige Fragen

Was zählt als Fehltag?

Ein Arbeitstag, an dem eine beschäftigte Person krankheitsbedingt fehlt. Urlaub, Fortbildung oder Elternzeit zählen nicht dazu. Ob ab dem ersten Tag eine Krankschreibung nötig ist, regelt der Arbeitgeber.

Was ist ein normaler Krankenstand?

Das variiert stark nach Branche, Altersstruktur und Tätigkeit – Pflege und Produktion liegen regelmäßig über Verwaltungsbereichen. Aussagekräftiger als Bundesdurchschnitte sind Branchenwerte aus den Gesundheitsreporten der Krankenkassen und der eigene Verlauf über die Jahre.

Warum sinken Fehltage nicht durch Anwesenheitsprämien?

Weil Prämien nicht die Ursachen beheben, sondern Präsentismus belohnen: Beschäftigte kommen krank zur Arbeit. Nachhaltiger wirkt, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, die hinter den Ausfällen stehen.