Glossar

Glossar für Arbeitsweltverbesser:innen

Begriffe von DearEmployee, New Work sowie Arbeits- und Organisationspsychologie

Körperliche Anforderungen

Körperliche Anforderungen umfassen alle physischen Belastungen einer Tätigkeit – und zwar in beide Richtungen: schwere körperliche Arbeit wie Heben, Tragen und Zwangshaltungen ebenso wie einseitige Belastungen durch ständiges Sitzen vor dem Bildschirm. Auch der vermeintlich „körperlose“ Bürojob stellt körperliche Anforderungen.

Typische Formen körperlicher Anforderungen

  • Lastenhandhabung: Heben, Tragen, Ziehen und Schieben – etwa in Pflege, Logistik und Handwerk.
  • Zwangshaltungen: Arbeiten über Kopf, im Knien oder in gebeugter Haltung.
  • Repetitive Bewegungen: gleichförmige Abläufe in Produktion oder an der Kasse.
  • Bewegungsmangel: langes Sitzen oder Stehen ohne Ausgleich – die häufigste Form im Büro.
  • Umgebungsfaktoren: Lärm, Hitze, Kälte, Vibration.

Körper und Psyche: keine getrennten Welten

Körperliche und psychische Belastung verstärken sich gegenseitig. Stress erhöht die Muskelspannung und das Schmerzempfinden – Muskel-Skelett-Beschwerden gehören deshalb zu den häufigsten Folgen auch psychischer Fehlbelastung. Umgekehrt zehrt körperliche Dauerbelastung an den psychischen Reserven, besonders in Berufen mit Doppelbelastung wie der Pflege: schweres Heben plus emotionale Anforderungen plus Schichtarbeit.

Körperliche Anforderungen in der Gefährdungsbeurteilung

§ 5 ArbSchG verlangt die Beurteilung aller Gefährdungen – physische wie psychische. In der psychischen Gefährdungsbeurteilung werden körperliche Anforderungen miterfasst, weil sie das Beanspruchungserleben prägen – ausgewertet pro Tätigkeitsbereich, denn zwischen Lager und Verwaltung liegen hier Welten. Wie die Erfassung abläuft, zeigt unsere GB-Psych-Übersicht.

Häufige Fragen

Was zählt zu den körperlichen Anforderungen der Arbeit?

Alle physischen Belastungen einer Tätigkeit: Lastenhandhabung, Zwangshaltungen, repetitive Bewegungen, langes Sitzen oder Stehen sowie Umgebungsfaktoren wie Lärm und Hitze.

Ist Büroarbeit körperlich belastend?

Ja – anders als Werksarbeit, aber messbar: Bewegungsmangel und einseitige Haltung begünstigen Rücken-, Nacken- und Augenbeschwerden. „Körperlich anspruchslos“ heißt nicht „körperlich unbelastet“.

Wie hängen körperliche und psychische Belastung zusammen?

Eng: Stress verstärkt Muskelverspannung und Schmerzwahrnehmung, körperliche Dauerbelastung senkt die psychische Belastbarkeit. Eine Gefährdungsbeurteilung sollte beide Seiten betrachten.