COPSOQ III: Was die aktuelle Version misst

Copsoq - Was die aktuelle Version misst

COPSOQ III klingt nach einer Versionsnummer, hinter der sich wenig ändert. Seit 2019 stimmt das nicht mehr. Mit der dritten Generation hat das internationale COPSOQ-Netzwerk festgelegt, dass jeder nationale Fragebogen einen verbindlichen Kern an Fragen enthalten muss, den jedes Land um eigene, lokal erprobte Fragen ergänzt. Für Unternehmen, die ihre psychische Gefährdungsbeurteilung mit dem COPSOQ durchführen, ist das mehr als Kosmetik: Es verändert, was gemessen wird und wie die Ergebnisse zu lesen sind.

Verfasst von Dr. Amelie Wiedemann

Auf einen Blick

  • COPSOQ III ist seit 2019 die aktuelle Konzeption des Copenhagen Psychosocial Questionnaire. Die validierte deutsche Version stammt von der FFAW, der Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften.
  • Der Fragebogen kombiniert einen international verbindlichen Kern an Fragen (CORE-Items) mit national ergänzten Fragen. Eine reine Übersetzung ist er ausdrücklich nicht.
  • Die deutsche Standardversion liegt bei rund 86 Fragen zu 33 Skalen, bei einer medianen Ausfülldauer von etwa 18 Minuten.
  • Erfasst werden Arbeitsanforderungen, Einfluss und Entwicklungsmöglichkeiten, soziale Beziehungen und Führung sowie Beanspruchungsfolgen wie Gesundheit, Zufriedenheit und Burnout.
  • COPSOQ arbeitet ohne feste Grenzwerte. Ergebnisse werden über Referenzwerte aus der FFAW-Datenbank eingeordnet, nicht gegen einen fixen Schwellenwert.

Was ist COPSOQ III?

Der Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ) ist ein wissenschaftlich validierter Fragebogen zur Messung psychosozialer Belastungen und Beanspruchungen am Arbeitsplatz. COPSOQ III ist die seit 2019 gültige dritte Generation dieses Verfahrens. Er erfasst Arbeitsbedingungen, nicht Persönlichkeit oder Krankheit, und gilt damit als Screening-Instrument im Sinne der DIN EN ISO 10075-3, nicht als psychologisches Diagnoseverfahren.

Das hat eine praktische Konsequenz. Der COPSOQ sagt nichts über einzelne Beschäftigte aus, er beschreibt die Arbeitssituation einer Gruppe. Genau das macht ihn für die gesetzliche Gefährdungsbeurteilung brauchbar: Bewertet wird die Arbeit, nicht die Person.

Vom dänischen Original zur dritten Generation

Der COPSOQ entstand in Dänemark und kam in Deutschland erstmals 2005 als validierte Version zum Einsatz, damals im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). In den Jahren danach wurde er in mehr als 25 Sprachen übersetzt und sowohl in der Forschung als auch in der betrieblichen Praxis eingesetzt.

Mit COPSOQ III änderte sich die Zuständigkeit. Statt einzelner Forschungsgruppen verantwortet seit der 2019 veröffentlichten Konzeption das internationale COPSOQ-Netzwerk die Weiterentwicklung. Die deutsche Version wurde von der FFAW validiert (Lincke et al., 2021). Trotz des Generationswechsels blieb viel Kontinuität erhalten: Rund 70 Prozent der Inhalte sind mit der deutschen Version von 2005 identisch. Frühere Befragungen lassen sich daher nach einer Transformation durch die FFAW weiter mit aktuellen vergleichen.

Wie COPSOQ III aufgebaut ist

Der entscheidende Unterschied zu den Vorgängern liegt in der Konstruktionslogik. Jede nationale COPSOQ-III-Version besteht aus zwei Teilen:

  1. Den international verbindlichen CORE-Items. Sie sind in jedem Land gleich und sichern die internationale Vergleichbarkeit.
  2. National ergänzten Fragen. Jedes Länderteam fügt die Items hinzu, die im eigenen Kontext die beste Messqualität zeigen.

Die deutsche Standardversion umfasst rund 85 Fragen, gebündelt zu gut zwei Dutzend Skalen, bei einer medianen Bearbeitungszeit von etwa 18 Minuten. Daneben gibt es kürzere und längere Fassungen, je nachdem, wie tief eine Erhebung gehen soll. Wer den COPSOQ einsetzt, arbeitet also nicht mit einem weltweit identischen Bogen, sondern mit einer für Deutschland abgestimmten Zusammenstellung auf gemeinsamer internationaler Basis.

Was COPSOQ III misst

Inhaltlich folgt der COPSOQ einem Belastungs-Beanspruchungs-Modell: Arbeitsbedingungen wirken auf das Befinden der Beschäftigten. Die Skalen lassen sich grob vier Bereichen zuordnen.

Arbeitsanforderungen. Quantitative Anforderungen wie Arbeitsmenge und Tempo, dazu emotionale Anforderungen. COPSOQ III ergänzt diesen Bereich unter anderem um physische Anforderungen.

Einfluss und Entwicklungsmöglichkeiten. Wie viel Spielraum haben Beschäftigte bei Entscheidungen, wie sinnstiftend erleben sie ihre Aufgabe, welche Entwicklungschancen bestehen.

Soziale Beziehungen und Führung. Unterstützung durch Kolleg:innen und Vorgesetzte, Führungsqualität, Rollenklarheit, Anerkennung. COPSOQ III nimmt etwa die Anerkennung durch die Führung als eigenes Thema auf.

Beanspruchung und Folgen. Hier geht es um die Wirkungsseite: allgemeine Gesundheit, Arbeitszufriedenheit, Burnout-Symptome und der Konflikt zwischen Beruf und Privatleben.

Neu in der dritten Generation sind Themen, die die veränderte Arbeitswelt abbilden: die räumliche und zeitliche Entgrenzung der Arbeit, physische Anforderungen und das Arbeitsengagement.

Auswertung: warum COPSOQ keine Grenzwerte kennt

Die meisten Fragen haben fünf Antwortstufen, die für die Auswertung auf eine Skala von 0 bis 100 Punkten umgerechnet werden. Einen festen Wert, ab dem eine Belastung als kritisch gilt, gibt es nicht. Stattdessen werden die Ergebnisse eines Betriebs mit Referenzwerten verglichen: Wie steht die eigene Abteilung im Vergleich zu einer großen Zahl anderer Beschäftigter da?

Diese Referenzwerte stammen aus der COPSOQ-Datenbank der FFAW, in die anonymisierte Daten aus zahlreichen Befragungen einfließen. So lässt sich ein Skalenwert einordnen, der für sich genommen schwer zu deuten wäre. Ob ein Wert von 55 Punkten bei den quantitativen Anforderungen hoch oder niedrig ist, zeigt erst der Vergleich.

COPSOQ III auf der DearEmployee-Plattform

Auf der DearEmployee-Plattform ist der COPSOQ eines von mehreren wissenschaftlich validierten Instrumenten, mit denen sich eine Befragung aufsetzen lässt. Daneben steht die DearEmployee Survey, ein eigenständiges, validiertes Verfahren aus einem Spin-off der Freien Universität Berlin, das im Dorsch, dem Lexikon der Psychologie, gelistet ist. Sie integriert etablierte Skalen, darunter den COPSOQ, und geht mit eigenen, adaptiven und modularen Modulen darüber hinaus.

Welches Instrument passt, hängt von der Situation ab, nicht von einer Vorliebe des Anbieters. Der COPSOQ ist der anerkannte öffentliche Standard und wird in Ausschreibungen oft namentlich verlangt; seine Neutralität erleichtert die Akzeptanz im Betriebsrat. Die DearEmployee Survey spielt ihre Stärken aus, wenn es um adaptive Tiefe und ein eng an die Auswertung gekoppeltes Maßnahmendesign geht. Beide Wege haben denselben Zielpunkt: Die Ergebnisse laufen in den gleichen Auswertungs- und Maßnahmenprozess. Der Fragebogen ist die Variable, die Plattform und die Methode dahinter sind die Konstante.

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich COPSOQ III von COPSOQ II?

Der größte Unterschied ist die Konstruktionslogik: COPSOQ III definiert einen international verbindlichen Kern an Fragen, den jedes Land ergänzt. Inhaltlich kamen Themen wie die Entgrenzung der Arbeit, physische Anforderungen und Arbeitsengagement hinzu. Gleichzeitig blieben rund 70 Prozent der deutschen Items aus der Vorgängerversion erhalten.

Wie lange dauert eine COPSOQ-III-Befragung?

Für die deutsche Standardversion liegt die mediane Ausfülldauer bei etwa 18 Minuten. Kürzere Fassungen senken die Zeit, längere erhöhen die inhaltliche Breite.

Wie viele Fragen hat COPSOQ III?

Die deutsche Standardversion umfasst rund 85 Fragen. Die genaue Zahl hängt von der eingesetzten Fassung ab, da national ergänzte Items hinzukommen oder wegfallen können.

Gibt es bei COPSOQ III feste Grenzwerte?

Nein. Der COPSOQ arbeitet mit Referenzwerten aus der FFAW-Datenbank statt mit fixen Schwellenwerten. Ein Ergebnis wird durch den Vergleich mit anderen Betrieben eingeordnet.

Eignet sich COPSOQ III für die gesetzliche Gefährdungsbeurteilung?

Ja. Als Screening-Instrument deckt der COPSOQ die psychische Belastung ab, die nach § 5 Arbeitsschutzgesetz zu beurteilen ist.

Nächster Schritt

Du überlegst, ob der COPSOQ das richtige Instrument für deine Gefährdungsbeurteilung ist, oder wie sich die Ergebnisse in konkrete Maßnahmen übersetzen lassen? In einer kurzen Demo zeigen wir dir, wie eine Befragung auf der Plattform abläuft. Demo anfragen

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