Gestresstes Herz – was war da los im Sommer 2006?

Quelle: Lampen et al. (2008)

Bevor Sie weiterlesen: Haben Sie eine Idee, wie die Spitzen der kardiovaskulären Ereignisse im Sommer 2006 in Deutschland zustande gekommen sein könnten?

Und, erraten? Hier die Auflösung:

Lampen et al. (2008) – Original Article: Cardiovascular Events during World Cup Soccer

Intuitiv wissen wir: Stress und körperliche Gesundheit hängen zusammen. Stress hat eine wechselseitige Beziehung mit einer Vielzahl von Erkrankungen. Seien es Autoimmunerkrankungen, gastrointestinale oder auch Krebserkrankungen. Dabei können sowohl akute Stressbelastungen (z.B. schwere Traumata) als auch chronische, alltägliche Belastungen (“daily hazzles”) solche Erkrankungen (mit) verursachen.

Wie direkt sich Stressbelastungen auf das Herz auswirken, dass wurde eindrucksvoll in einer Studie von Lampen und Kollegen untersucht:

Hier wurde die Anzahl an kardiovaskulären Ereignissen wie z.B. akuten Myokardinfarkten in den Jahren 2003, 2005 und 2006 in Deutschland verglichen. Vielleicht haben Sie es schon erraten: Ja, es war ein besonders heißer Sommer. Aber da war noch etwas: Richtig, die Fußball-WM im eigenen Land. Sehen Sie sich bitte noch einmal das Schaubild an: Die Ausschläge der kardiovaskulären Ereignisse lassen sich sehr genau den WM-Spielen mit deutscher Beteiligung zuordnen:

Die Gruppenspiele:

Spiel 1: Deutschland – Costa Rica 4:2
Eröffnungsspiel, die Vorfreude entlädt sich. Deutschland macht trotz zweier Gegentreffern den Sack zu.

Spiel 2: Deutschland – Polen 1:0
Spannung bis zum Schluss, Fußballdeutschland wird erst in der 89. Minute erlöst. Schon etwas mehr Fälle kardiovaskulärer Ereignisse.

Spiel 3: Deutschland – Ecuador 3:0
Das Achtelfinale war hier schon eingetütet, daher liefen die Notrufleitungen weniger heiß.

Die KO-Runde:

Achtelfinale: Deutschland – Schweden 2:0
Souverän. Trotzdem sind KO-Spiele immer aufregender als Gruppenspiele.

Viertelfinale: Deutschland – Argentinien 4:2 i.E.
Ob unsere DFB-Kicker wissen, wie viele Herzerkrankungen sie zu verantworten haben? Elfmeterschießen geht gar nicht!

Halbfinale: Deutschland – Italien 0:2 n.V.
Nächstes Spiel bitte!

Spiel um Platz 3: Deutschland – Portugal 3:1
Nach dem tragischen Halbfinale ist jede Anspannung gewichen. Das Spiel um die goldene Ananas wurde offensichtlich emotional unbeteiligt zur Kenntniss genommen. Es ist das einzige Spiel mit deutscher Beteiligung, bei dem es keinen signifikanten Unterschied in den Herzerkrankungen im Vergleich zu gewöhnlichen Sommertagen gab.

Finale
Jetzt bloß nicht Italien…trotz fehlender deutscher Beteiligung nochmals ein ordentlicher Ausschlag. Oder geht diese Statistik auf unsere Mitbürger*innen mit französischen und italienischen Wurzeln zurück?

Insgesamt waren an den sieben Tagen mit deutschen Spielen die Fälle kardiovaskulärer Ereignisse gegenüber der WM-freien Sommertage um den Faktor 2,66 erhöht. Fußball macht also krank! Zumindest das Zuschauen. Was für eine Verantwortung für die DFB-Kicker!

Autor: Daniel Fodor

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