Workplace Insights 2023: Motivation am Arbeitsplatz

Die Motivation am Arbeitsplatz ist ein vielschichtiges Phänomen, das wir anhand der WORKPLACE INSIGHTS analysiert und ausgewertet haben.  Hier spielen sowohl intrinsische als auch extrinsische Faktoren eine wichtige Rolle. Um die Motivation und damit die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu steigern, ist es entscheidend, ein tieferes Verständnis dieser dynamischen Kräfte zu entwickeln.

Intrinsische Motivation

Intrinsische Motivation stammt aus dem Inneren des Individuums. Sie wird durch persönliches Interesse, Freude an der Tätigkeit selbst oder das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung angetrieben. Ein intrinsisch motivierter Mitarbeitender arbeitet an einer Aufgabe, weil sie ihm/ihr Spaß macht, Herausforderungen bietet oder weil er/sie ein persönliches Interesse am Thema hat. Diese Art der Motivation ist oft langanhaltender und selbstverstärkend.

Beispiele für intrinsische Motivation am Arbeitsplatz können das Streben nach Kompetenz und Meisterschaft in einem bestimmten Bereich, die Freude an kreativer oder innovativer Arbeit oder das tiefe Engagement für die Mission oder die Werte des Unternehmens sein.

Extrinsische Motivation

Extrinsische Motivation hingegen wird durch äußere Anreize oder Druck verursacht. Dazu gehören Faktoren wie Gehalt, Bonuszahlungen, Beförderungen, aber auch sozialer Druck oder das Vermeiden von negativen Konsequenzen. Während extrinsische Motivation wirksam sein kann, um kurzfristige Ziele zu erreichen, wird sie oft als weniger nachhaltig angesehen, besonders wenn die externen Anreize wegfallen.

Extrinsische Anreize am Arbeitsplatz könnten beispielsweise leistungsabhängige Boni, Mitarbeiterbenefits oder das Streben nach einer höheren Position im Unternehmen sein.

Das Zusammenspiel von intrinsischer und extrinsischer Motivation

In der Praxis sind intrinsische und extrinsische Motivation oft miteinander verflochten. Ein optimales Motivationsumfeld am Arbeitsplatz zu schaffen, bedeutet, beide Formen der Motivation zu verstehen und zu nutzen. Dies erfordert eine sorgfältige Balance: Externe Anreize können hilfreich sein, um bestimmte Ziele zu erreichen, sollten aber die intrinsische Motivation nicht untergraben.

Die Motivation in den WORKPLACE INSIGHTS

Die Verteilung der Motivation der Mitarbeitenden sieht wie folgt aus:

WORKPLACE INSIGHTS 2023: Motivation am Arbeitsplatz

Es zeigt sich, dass die Motivation der Beschäftigten überaus positiv ist. Der Großteil der Befragten beschreibt die eigene Motivation als eher hoch (54,1%) und nur ein kleiner Teil stuft sich als gefährdet ein (2,9%). Die mittlere Ausprägung liegt bei 7,9 von 10. Die weitere Förderung sollte daher nicht nur auf die extrinsische Motivation legen, sondern die einzelnen Arbeitsbedingungen in den Unternehmen betrachten, um die intrinsischen Weichen zu stellen.

TOP 5 der Arbeitsbedingungen für die Motivation

Bedeutsamkeit (r = 0,46; M = 7,94)

Bedeutsamkeit bei der Arbeit zu spüren, ist der stärkste Motivator. Das Gefühl, einen sinnvollen Beitrag zu leisten, steigert die Arbeitszufriedenheit und das Engagement. Unternehmen können dies fördern, indem sie den Zweck und den Wert der Aufgaben klar kommunizieren und den Mitarbeitenden zeigen, wie ihre Arbeit zum Gesamterfolg beiträgt.

Vielseitigkeit der Aufgaben (r = 0,43; M = 7,61)

Abwechslungsreiche Aufgaben halten die Arbeit spannend und herausfordernd. Förderung der Vielseitigkeit kann durch Job-Rotation, Projektarbeit oder interdisziplinäre Teams erreicht werden.

Talent (r = 0,40; M = 7,19)

Die Nutzung und Weiterentwicklung der eigenen Talente ist ein Schlüsselfaktor für Motivation. Unternehmen sollten Talente erkennen und fördern, etwa durch gezielte Weiterbildungsangebote oder die Zuweisung von Aufgaben, die die individuellen Stärken nutzen.

Verantwortung (r = 0,34; M = 7,77)

Verantwortung zu übernehmen, fördert das Engagement und die Eigeninitiative. Unternehmen können dies unterstützen, indem sie Vertrauen in ihre Mitarbeitenden setzen und ihnen Spielraum für eigenverantwortliches Handeln geben.

Unternehmenswerte (r = 0,32; M = 6,92)

Eine starke Identifikation mit den Werten des Unternehmens kann motivierend wirken. Wichtig ist hierbei, dass die Werte gelebt und in der Unternehmenskultur verankert sind.

LOW 5 Arbeitsbedingungen und ihre Beziehung zur Motivation

Erreichbarkeit (r = -0,20; M = 5,49)

Eine negative Korrelation zwischen Erreichbarkeit und Motivation könnte darauf hindeuten, dass hochmotivierte Mitarbeitende tatsächlich eine hohe Erreichbarkeit akzeptieren und sogar bevorzugen. Dies könnte bedeuten, dass sie bereit sind, sich über das normale Maß hinaus zu engagieren und auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten verfügbar zu sein.

Überstunden (r = -0,16; M = 5,99)

Ähnlich verhält es sich mit Überstunden. Die Daten deuten darauf hin, dass Mitarbeitende, die eine hohe Motivation aufweisen, tendenziell bereit sind, längere Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen, um ihre Ziele zu erreichen und ihre Aufgaben zu erfüllen.

Arbeitsintensität (r = -0,10; M = 4,92)

Die negative Korrelation hier könnte bedeuten, dass motivierte Mitarbeitende eine hohe Arbeitsintensität als Herausforderung sehen und diese aktiv annehmen. Sie könnten sich durch anspruchsvolle Aufgaben stimuliert fühlen, was ihre Motivation weiter steigert.

Reiseaufwand (r = -0,09; M = 7,59)

Die Bereitschaft, Reiseaufwand zu akzeptieren, könnte bei motivierten Mitarbeitenden ausgeprägter sein. Dies deutet darauf hin, dass sie bereit sind, zusätzliche Anstrengungen wie Dienstreisen auf sich zu nehmen, um ihre Aufgaben zu erfüllen und zum Unternehmenserfolg beizutragen.

Planbarkeit (r = -0,05; M = 5,04)

Eine negative Korrelation mit der Planbarkeit könnte anzeigen, dass hochmotivierte Mitarbeitende flexibler in Bezug auf unvorhergesehene Veränderungen oder Herausforderungen sind und weniger Bedarf an strikter Planung haben. Sie könnten sich wohl dabei fühlen, in dynamischen und sich schnell ändernden Umgebungen zu arbeiten.

Fazit

Diese Interpretation der Daten zeigt, dass hochmotivierte Mitarbeitende traditionelle Arbeitswerte wie hohe Erreichbarkeit, die Bereitschaft zu Überstunden und eine hohe Arbeitsintensität schätzen. Sie sind offenbar bereit, zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen und Flexibilität zu zeigen, um ihre Aufgaben zu erfüllen und zum Erfolg des Unternehmens beizutragen. Diese Erkenntnisse sind besonders wertvoll für Unternehmen, die bestrebt sind, die Motivation ihrer Belegschaft zu verstehen und zu fördern. Sie unterstreichen die Bedeutung von Engagement und Einsatzbereitschaft als Schlüsselfaktoren für die Mitarbeitermotivation. Nichtsdestotrotz muss hierbei verstanden werden, dass sehr motivierte Mitarbeitende die Herausforderung annehmen, jedoch können diese Arbeitsbedingungen nicht nur isoliert für die Motivation betrachtet werden. Wenn unter der hohen Motivation langfristig die psychische Gesundheit leidet, dann ist hierbei die Gefahr für einen Burnout enorm hoch und sollte daher strengstens vermieden werden. Die stärkste Korrelation der Bedeutsamkeit aus den WORKPLACE INSIGHTS für die Motivation muss hierbei erneut hervorgehoben werden, da gerade dies einen intrinsischen Motivator darstellt, der nicht außer Acht gelassen werden darf, um langfristig zu motivieren.

Häufig gestellte Fragen zur GBPsych-Dokumentation

Was muss bei der GBPsych dokumentiert werden?

Vier Bestandteile: Ergebnisse, Maßnahmen, Durchführungs- und Wirksamkeitskontrolle.

Gemäß §6 ArbSchG müssen vier Bestandteile dokumentiert werden: die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung nach Bereichen und Belastungsdimensionen, die festgelegten Maßnahmen mit Verantwortlichen und Fristen, die Überprüfung der Durchführung sowie die Überprüfung der Wirksamkeit. Eine Dokumentation, die nur den Befragungsprozess, nicht aber Maßnahmen und Wirksamkeitskontrolle enthält, ist nach §6 ArbSchG unvollständig.

Wie lange muss die GBPsych-Dokumentation aufbewahrt werden?

Mindestens 5 Jahre nach Abschluss eines GBPsych-Zyklus.

Das ArbSchG nennt keine exakte Frist. In der Praxis haben sich mindestens 5 Jahre nach Abschluss eines GBPsych-Zyklus als Standard etabliert. Bei Erkrankungen mit möglichem Arbeitsbezug gelten analog zu Berufskrankheitenregelungen bis zu 30 Jahre. Empfehlenswert ist eine digitale Ablage mit automatischer Versionierung und Zeitstempel.

Ist eine Excel-Tabelle als GBPsych-Dokumentation ausreichend?

Formal ja, praktisch oft problematisch.

Rechtlich ist jedes Format zulässig, das schriftlich oder in vergleichbarer Weise elektronisch vorliegt (§6 ArbSchG). Eine Excel-Tabelle ist also formal erlaubt, muss aber alle vier Pflichtbestandteile vollständig enthalten, und nachträgliche Änderungen müssen erkennbar sein. In der Praxis scheitern Excel-Dokumente oft an Versionsproblemen und fehlender Wirksamkeitskontrolle.

Was passiert, wenn die GBPsych-Dokumentation bei einer Kontrolle fehlt?

Bußgelder bis zu 30.000 Euro nach §25 ArbSchG sind möglich.

Fehlende oder unvollständige Dokumentation gilt als Verstoß gegen §6 ArbSchG. Die Gewerbeaufsicht oder Berufsgenossenschaft kann Mängelhinweise, Verwarnungen oder Bußgelder bis zu 30.000 Euro nach §25 ArbSchG aussprechen. Bei wiederholten Verstößen oder Unfällen können die Konsequenzen erheblich größer ausfallen.

Mehr zu Strafen und Bußgeldern
Muss die GBPsych digital dokumentiert werden oder reicht Papier?

Beide Formate sind erlaubt, digital hat klare Praxisvorteile.

§6 ArbSchG verlangt eine schriftliche oder vergleichbar elektronische Dokumentation, beide Formate sind also zulässig. Entscheidend ist, dass die Dokumentation jederzeit zugänglich, dauerhaft lesbar und gegen unbemerkte nachträgliche Änderungen geschützt ist. Digitale Lösungen bieten Durchsuchbarkeit, Zugriffsrechte, automatische Fristenerinnerung und eine lückenlose Versionshistorie, Papierablage ist erlaubt, aber fehleranfälliger.

Welche Rechte hat der Betriebsrat bei der GBPsych-Dokumentation?

Der Betriebsrat hat ein Einsichtsrecht nach §80 BetrVG.

Der Betriebsrat hat nach §80 BetrVG ein Einsichtsrecht in die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung, die gewählte Ablageform muss dieses praktisch ermöglichen. Zusätzlich besteht bei der Ausgestaltung des Verfahrens eine Mitbestimmung nach §87 BetrVG. Die Einbindung des Betriebsrats sollte selbst dokumentiert werden, da fehlende Nachweise dazu bei Kontrollen als Mangel gewertet werden können.

GB Psych und Betriebsrat
Gilt die Dokumentationspflicht auch für Betriebe unter 10 Beschäftigten?

Ja, die bisherige Ausnahme entfällt ab 2025/2026 schrittweise.

Die Dokumentationspflicht nach §6 ArbSchG gilt grundsätzlich für alle Betriebe mit mindestens einem Beschäftigten. Für Betriebe mit bis zu 10 Beschäftigten galt bislang eine vereinfachte Ausnahmeregelung, die 2025/2026 schrittweise entfällt. Damit müssen sich auch kleine Betriebe auf eine vollständige, nachvollziehbare Dokumentation einstellen.

Mehr zur GBPsych-Pflicht 2026
Wann muss die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft werden?

Laut BAuA spätestens 12–18 Monate nach Maßnahmeneinführung.

Die Wirksamkeitskontrolle ist der am häufigsten übersprungene Bestandteil, ohne ihn ist die GBPsych nach §6 ArbSchG unvollständig. Die BAuA empfiehlt, die Überprüfung spätestens 12–18 Monate nach Einführung einer Maßnahme durchzuführen, etwa über eine Nachbefragung, ein Feedbackgespräch oder ein erneutes Assessment in der betroffenen Gruppe, jeweils mit dokumentiertem Ergebnis.

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