Problematischer BOSS? Fragebogen für Burnout

Burnout Fragebogen und anschließende Diagnose durch Psycholog:in

Die Arbeitspsychologie, mitsamt ihren Fragebogen, gewinnt immer mehr an Bedeutung durch die stetig steigende Prävalenz von Burnout oder Depression. Eine Übersicht über die Berufe und Branchen mit der höchsten Gefährdung haben wir bereits aufgezeigt. Es gibt eine Vielzahl von Fragebogen, die zur Feststellung von Burnout genutzt werden, die ihre Stärken und Schwächen haben. Doch wie kann man bei Abkürzungen wie MBI, CBI oder BOSS den Überblick behalten? Und brauche ich ein psychologisches Inventar, um Burnout zu erkennen? Wir zeigen Dir was sich hinter den Akronymen versteckt und was für Möglichkeiten es gibt das Burnout-Syndrom zu diagnostizieren.

Was ist besonders an der Burnout-Diagnose?

Die Besonderheit des Burnout-Syndroms liegt darin, dass es keine psychische Erkrankung ist. Dementgegen stehen betroffene Personen die Symptome haben, die das Arbeiten unmöglich machen und krank sind. Aber offiziell, also dem ICD-10 und ICD-11 nach, ist Burnout nur ein Syndrom, das durch den Arbeitskontext entsteht. Das heißt, statt eigenständiger psychischer Erkrankung ist Burnout eine Zusatz- oder Einstufungsdiagnose, die gestellt werden kann, um zusätzlichen Kontext zu geben. Zwar ist die Einzeldiagnose möglich, wird jedoch häufig vermieden, besonders bei schweren oder späten Diagnosen, um Symptomträgern eine möglichst lange Erholungszeit zu gewähren. Hierbei wird die Zusatzdiagnose häufig zusammen mit einer Depression gestellt, um bei der Antragsstellung an die Krankenkasse auch die volle Kostenerstattung zu bekommen. Bevor ein:e Psychotherapeut:in eine Diagnose stellen kann, wird ein Fragebogen genutzt, drei bekannte Inventare stellen wir nun im Überblick dar.

Maslach Burnout Inventory (MBI)

Der älteste und wohl geläufigste Fragebogen ist das MBI (Maslach Burnout Inventory, 1981) von Christina Maslach. Es liegen drei englischsprachige, validierte Versionen vor, MBI-HSS (Human Services Survey zu deutsch Soziale Dienstleistungen Fragebogen), MBI-ES (Educators Survey zu deutsch Lehrkräfte Fragebogen) und MBI-GS (General Survey zu deutsch allgemeine Umfrage). Es wurden drei verschiedene englischsprachige Fragebogen validiert, der MBI-HSS ist besonders auf soziale Dienstleistungsberufe ausgelegt, MBI-ES ist auf Lehrkräfte abgestimmt und MBI-GS ist allgemein für alle Berufsfelder. Die deutschen Übersetzungen, MBI-D und MBI-GS-D umfassen jeweils 21 und 16 Items, die die drei Dimensionen emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit erfassen. Es gibt zwar Normwerte anhand derer man vergleichen kann, jedoch gibt es keine klaren Grenzwerte, ab wann ein Burnout vorliegt.

Copenhagen Burnout Inventory (CBI)

Entstanden aus der Kritik von Kristensen et al. im Jahre 2005 an der Validität des MBI, versucht das CBI Burnout durch drei verschiedene Skalen messbar zu machen. Diese sind: “Personal burnout”, “work-related burnout” und “client-related burnout”. Im CBI werden die drei Skalen genutzt, um alle möglichen Domänen inkludieren zu können, ohne möglicherweise redundante Fragen zu stellen. Über die Skalen hinweg wird im CBI Erschöpfung als das Kernsymptom von Burnout verstanden. Jeder ist in der Lage die Skala des “personal burnout” zu beantworten, da lediglich generische Fragen gestellt werden. “Work-related burnout” nimmt an, dass die Person berufstätig ist und stellt Fragen hinsichtlich der Anstellung. Die letzte Skala “client-related burnout” ist von Relevanz wenn die Arbeit zusätzlich in einem sozialen Kontext stattfindet. Die Antworten auf die 19 Fragen (z.B. “How often do you feel tired?”) können mit einer 5-Punkte Likert-Skala beantwortet, die von “Always” bis “Never” reicht.

Burnout-Screening-Skalen (BOSS)

Ein weiteres viel genutztes Inventar im deutschsprachigen Raum ist die 2. Auflage des BOSS (Burnout-Screening-Skalen, 2016) von Geuenich und Hagemann. Das Inventar ist aufgeteilt in die Skalen I, II und III, die unterschiedliche Facetten von Burnout beschreiben. Fragebogen I und II fragen über 30 Items, die typischen psychischen, physischen und psychosozialen Beschwerden ab. BOSS I fragt diese über die Lebensbereiche Beruf, Eigene Person, Familie und Freunde aus den letzten drei Wochen ab. BOSS II erfragt die körperlichen, kognitiven und emotionalen Beschwerden der letzten Woche bei der Person mit Veracht auf Burnout. Im neu hinzugekommenen BOSS III werden über 20 Items die vor Burnout schützenden Ressourcen der letzten drei Wochen aus den vier Lebensbereichen erfasst.

Muir Matches Measure (MMM)

Kein klassisches Inventar, aber dennoch spannend in der Diagnose von Burnout ist das MMM (Muir Matches Measure, 2022). Hierbei kommt es auch zu einer Selbsteinschätzung, jedoch wird nur ein Item verwendet, das nicht über Skalen oder sonstige Umwege das Konstrukt Burnout diagnostizieren will, sondern über die direkte Abfrage. Hierbei kommt es zu einer visuellen Darstellung des Burnouts über acht Streichhölzer, die unterschiedlich weit ausgebrannt sind. Die zeitliche Effizienz ist hierbei natürlich nicht zu vergleichen mit den anderen Inventaren und die Validierung mit dem MBI ist auch sehr gut, weshalb gerade für Unternehmen eine solche Erhebung interessant sein kann. Es gibt natürlich keine Differenzierung zwischen den unterschiedlichen Dimensionen von Burnout, weshalb keine Rückschlüsse auf die Ursache gefasst werden können.

Zusammenfassung der Burnout Fragebogen

Insgesamt ist Burnout ein ernstes Problem, das die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen kann. Die Verwendung von Burnout Fragebogen kann dazu beitragen, das Problem frühzeitig zu erkennen und die notwendige Hilfe bereitzustellen. Die Wahl des geeigneten Fragebogens hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Zielgruppe, der Art der Tätigkeit und der Kultur. Im Allgemeinen können Fragebogen dazu beitragen, den Grad des Burnout-Syndroms zu erfassen und den Gesundheitszustand einer Person zu bestimmen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine endgültige Diagnose von Burnout immer von einem qualifizierten Arzt oder Therapeuten gestellt werden sollte. Die Verwendung von Fragebogen kann dabei hilfreich sein, ist aber nicht zwingend ausreichend, um eine Diagnose zu stellen.

 

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Häufig gestellte Fragen zur GBPsych-Dokumentation

Was muss bei der GBPsych dokumentiert werden?

Vier Bestandteile: Ergebnisse, Maßnahmen, Durchführungs- und Wirksamkeitskontrolle.

Gemäß §6 ArbSchG müssen vier Bestandteile dokumentiert werden: die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung nach Bereichen und Belastungsdimensionen, die festgelegten Maßnahmen mit Verantwortlichen und Fristen, die Überprüfung der Durchführung sowie die Überprüfung der Wirksamkeit. Eine Dokumentation, die nur den Befragungsprozess, nicht aber Maßnahmen und Wirksamkeitskontrolle enthält, ist nach §6 ArbSchG unvollständig.

Wie lange muss die GBPsych-Dokumentation aufbewahrt werden?

Mindestens 5 Jahre nach Abschluss eines GBPsych-Zyklus.

Das ArbSchG nennt keine exakte Frist. In der Praxis haben sich mindestens 5 Jahre nach Abschluss eines GBPsych-Zyklus als Standard etabliert. Bei Erkrankungen mit möglichem Arbeitsbezug gelten analog zu Berufskrankheitenregelungen bis zu 30 Jahre. Empfehlenswert ist eine digitale Ablage mit automatischer Versionierung und Zeitstempel.

Ist eine Excel-Tabelle als GBPsych-Dokumentation ausreichend?

Formal ja, praktisch oft problematisch.

Rechtlich ist jedes Format zulässig, das schriftlich oder in vergleichbarer Weise elektronisch vorliegt (§6 ArbSchG). Eine Excel-Tabelle ist also formal erlaubt, muss aber alle vier Pflichtbestandteile vollständig enthalten, und nachträgliche Änderungen müssen erkennbar sein. In der Praxis scheitern Excel-Dokumente oft an Versionsproblemen und fehlender Wirksamkeitskontrolle.

Was passiert, wenn die GBPsych-Dokumentation bei einer Kontrolle fehlt?

Bußgelder bis zu 30.000 Euro nach §25 ArbSchG sind möglich.

Fehlende oder unvollständige Dokumentation gilt als Verstoß gegen §6 ArbSchG. Die Gewerbeaufsicht oder Berufsgenossenschaft kann Mängelhinweise, Verwarnungen oder Bußgelder bis zu 30.000 Euro nach §25 ArbSchG aussprechen. Bei wiederholten Verstößen oder Unfällen können die Konsequenzen erheblich größer ausfallen.

Mehr zu Strafen und Bußgeldern
Muss die GBPsych digital dokumentiert werden oder reicht Papier?

Beide Formate sind erlaubt, digital hat klare Praxisvorteile.

§6 ArbSchG verlangt eine schriftliche oder vergleichbar elektronische Dokumentation, beide Formate sind also zulässig. Entscheidend ist, dass die Dokumentation jederzeit zugänglich, dauerhaft lesbar und gegen unbemerkte nachträgliche Änderungen geschützt ist. Digitale Lösungen bieten Durchsuchbarkeit, Zugriffsrechte, automatische Fristenerinnerung und eine lückenlose Versionshistorie, Papierablage ist erlaubt, aber fehleranfälliger.

Welche Rechte hat der Betriebsrat bei der GBPsych-Dokumentation?

Der Betriebsrat hat ein Einsichtsrecht nach §80 BetrVG.

Der Betriebsrat hat nach §80 BetrVG ein Einsichtsrecht in die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung, die gewählte Ablageform muss dieses praktisch ermöglichen. Zusätzlich besteht bei der Ausgestaltung des Verfahrens eine Mitbestimmung nach §87 BetrVG. Die Einbindung des Betriebsrats sollte selbst dokumentiert werden, da fehlende Nachweise dazu bei Kontrollen als Mangel gewertet werden können.

GB Psych und Betriebsrat
Gilt die Dokumentationspflicht auch für Betriebe unter 10 Beschäftigten?

Ja, die bisherige Ausnahme entfällt ab 2025/2026 schrittweise.

Die Dokumentationspflicht nach §6 ArbSchG gilt grundsätzlich für alle Betriebe mit mindestens einem Beschäftigten. Für Betriebe mit bis zu 10 Beschäftigten galt bislang eine vereinfachte Ausnahmeregelung, die 2025/2026 schrittweise entfällt. Damit müssen sich auch kleine Betriebe auf eine vollständige, nachvollziehbare Dokumentation einstellen.

Mehr zur GBPsych-Pflicht 2026
Wann muss die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft werden?

Laut BAuA spätestens 12–18 Monate nach Maßnahmeneinführung.

Die Wirksamkeitskontrolle ist der am häufigsten übersprungene Bestandteil, ohne ihn ist die GBPsych nach §6 ArbSchG unvollständig. Die BAuA empfiehlt, die Überprüfung spätestens 12–18 Monate nach Einführung einer Maßnahme durchzuführen, etwa über eine Nachbefragung, ein Feedbackgespräch oder ein erneutes Assessment in der betroffenen Gruppe, jeweils mit dokumentiertem Ergebnis.

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