A chocolate a day keeps the stressor away – Schokolade verringert die Stressreaktion

Dunkle Schokolade ist gesund. Jedenfalls wurde der Verzehr bereits mit einer geringeren Mortalität durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang gebracht. Dies ist auf die hohe Konzentration der so genannten Flavonoiden zurückzuführen. Flavonoide sind natürlich vorkommende Pflanzenwirkstoffe und gehören zur Familie der Antioxidantien. Diese unterstützen die körpereigenen Abwehrmechanismen. Wegen ihres bitteren Geschmacks entfernen jedoch die meisten Schokoladenhersteller die Flavonoide. Während ein Riegel dunkler Schokolade je nach Kakaoanteil noch eine beträchtliche Menge der wertvollen Flavonoide enthält, so befinden sich in herkömmlicher Vollmilchschokolade nur noch wenige Milligramm.

 

Schokolade gegen Stress

Die Erklärung des Zusammenhangs zwischen Schokolade und der Herz-Kreislauf-Gesundheit könnte, wie so häufig, in der körperlichen Stressreaktion zu finden sein. Dass psychosozialer Stress ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen ist, wurde bereits in einem früheren Blogeintrag beleuchtet.

Tierstudien zur Wirkung der Flavonoiden deuten darauf hin, dass diese die hormonelle Stressantwort reduzieren und damit vor schädlichen Folgen von Stress schützen. In einer Humanstudie bekamen Proband*innen über sechs Wochen regelmäßig einen bestimmten Tee. Während dieser bei der Hälfte der Personen reich an Flavonoiden war, so trank die andere Hälfte ein Placebo-Tee ohne Flavonoide. Nach den sechs Wochen kehrte in ersterer Gruppe der Cortisolspiegel in Folge einer Stresssituation schneller auf das Ausgangsniveau zurück. Die Stressreaktion fiel im Falle einer regelmäßigen Flavonoid-Einnahme also geringer aus.

 

Zuckerbrot und Peitsche

In der vorliegenden Studie “Dark Chocolate Intake Buffers Stress Reactivity in Humans” untersuchten Wirtz et al. (2015), inwieweit sich der einmalige Verzehr dunkler Schokolade auf die Stressreaktion auswirkt. Die Intervention bestand somit im Verzehr von 50 Gramm feinster Schweizer Zartbitterschokolade (72 Prozent Kakao). Darin enthalten waren 125 mg des in Schokolade vorkommenden Flavonoids Epicatechin. Diesen Schokoriegel durften 31 Männer verzehren. Eine Vergleichsgruppe aus 34 Männern erhielt ein ähnlich wohlschmeckendes Placebo: 50 Gramm optisch identischer Schokolade, allerdings enthielt diese kein Milligramm der wertvollen Flavonoide (und dafür einige Kilokalorien mehr). Nach dem angenehmen Part der Studienteilnahme folgte dann der weniger gemütliche. Damit die Wirkung der Schokolade auf die Stressreaktion überprüft werden konnte, musste zunächst einmal eine solche Stressreaktion hervorgerufen und damit messbar gemacht werden. Wie man Proband*innen im Labor mit dem Trier Sozial Stress Test zuverlässig gestresst bekommt, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

 

Methoden-Box: Wie stresst man Menschen im Labor?

Der Trier Sozial Stress Test (kurz: TSST) wurde an der Uni Trier von Prof. Dr. Clemens Kirschbaum und Kolleg*innen entwickelt. Zu Beginn wird der Proband (in der vorgestellten Studie nahmen nur Männer teil) in einen Raum geführt. Dort erwartet ihn folgendes Setting: Das Gremium, bestehend aus zwei neutral bis gelangweilt drein guckenden Konföderierten in weißen Kitteln. Sie sitzen hinter einem Tisch, ausgerüstet mit Papier, Stift und Stoppuhr. Zusätzlich sind Kamera und Mikrofon auf den Probanden gerichtet. Die Studienleitung erklärt, dass er gleich einige Zeit haben wird, um sich auf ein fiktives Bewerbungsgespräch vorzubereiten, welches das Gremium im Anschluss bewertet. Diese achten dabei vor allem auf Mimik und Gestik. Genaue Zeitangaben bekommt er nicht. Nachdem die Studienleitung den Raum verlassen hat, beginnt die fünfminütige Vorbereitungszeit.

Dann geht’s los: Der Proband stellt sich vor das Gremium und beginnt mit seiner freien Bewerbungsrede. Er erhält dabei weder mündlich noch mimisch Feedback. Erst wenn er nach 20 Sekunden Stille und der Aufforderung fortzufahren weiterhin stumm bleibt, fragt das Gremium widerwillig zusammenhangslose Fragen. Sind 5 Minuten um, so beginnt die letzte Aufgabe: fünf Minuten Kopfrechnen. Die Testperson muss nun in 17er Schritten subtrahieren, beginnend von einer Zahl jenseits der 2000. Bei null kommt er niemals an, da er bei jedem Fehler deutlich auf diesen hingewiesen wird und von vorne zu beginnen hat. Nach insgesamt 15 Minuten darf der Proband dann erschöpft (und frustriert) den Stresstest verlassen. Vor der Tür erwartet ihn schon die nächste Blutentnahme. In dieser Probe sollten sich nun einige Stresshormone mehr tummeln als zuvor.

Wie dieses standardisierte Laborparadigma abläuft, können Sie auch in folgendem Beitrag des SWR ab Minute 3:00 sehen: Hier wurde die Studienleitung dabei gefilmt, wie sie eine Probandin ohne das kleinste Anzeichen von Sympathie oder Empathie stressen.

 

Wie misst man Stress?

Die Stressreaktion selbst wurde dann über die vier Stresshormone Cortisol und ACTH sowie Adrenalin und Noradrenalin im Blut erhoben. Diese Hormone zeigen zuverlässig an, wie stark die Stresssysteme in unserem Organismus bei Belastung anspringen. Durch die Erfassung von allen vier Stresshormonen konnte nicht nur überprüft werden, ob sich dunkle Schokolade auf die Stressreaktion auswirkt, sondern auch in welchem Bereich des jeweiligen Stresssystems sich deren Wirkung entfaltet. Den Probanden wurde am Vormittag erstmalig Blut entnommen, daraufhin bekamen sie ihr jeweiliges Stückchen Schokolade. Zwei Stunden später mussten sie nach erneuter Blutentnahme dann durch den Stresstest. Abgeschlossen wurde die Untersuchung mit vier weiteren Blutproben: Unmittelbar nach dem Test, zehn Minuten später sowie eine und zwei Stunden danach. Mit diesen Proben ließ sich anschließend der Verlauf der Stressreaktion vom Ausgangsniveau über den Anstieg bis hin zum Rückgang auf das Normalniveau abbilden.

Der Studienablauf war für beide Gruppen abgesehen von dem Flavonoide in der Schokolade also exakt derselbe. Neben den Stresshormonen wurde auch die Konzentration der Epicatechine im Blut geprüft. Damit konnte festgestellt werden, ob eventuelle Unterschiede der Stressreaktion auch auf die Flavonoide im Kakao zurückzuführen sind.

 

Und das kam heraus

Die Epicatechinkonzentration war sowohl unmittelbar vor als auch zwei Stunden nach dem Stresstest in der Interventionsgruppe deutlich höher als in der Placebogruppe. Damit war zunächst einmal bewiesen, dass der Verzehr dunkler Schokolade auch nachweislich die Konzentration der Flavonoiden im Körper erhöht.

In beiden Gruppen bewirkte der Stresstest einen deutlichen Anstieg von Cortisol, ACTH, Noradrenalin und Adrenalin. Allerdings war der Anstieg der peripheren Stresshormone Cortisol und ACTH in der Interventionsgruppe signifikant geringer als in der Placebogruppe. Für die zentralnervösen Marker ACTH und Noradrenalin konnte dieser Unterschied nicht gefunden werden.

 

Schokolade anstatt Laufschuhe und Yogamatte?

Die Studie zeigt, dass dunkle Schokolade die Stressreaktion verringern kann. Da nur der Anstieg der peripheren Stresshormone sinkt, scheint Epicatechin nicht im Gehirn, sondern im Körper selbst seine stresspuffernde Wirkung zu entfalten. Und welche Schlüsse ziehen wir aus diese Studie? Klassischerweise rät man Menschen, die im Beruf starken Beanspruchungen ausgesetzt sind beispielsweise zu Ausdauersport, Yoga oder Entspannungstechniken. Damit soll der Organismus in Stresssituationen besser bestehen können, da die Stressantwort geringer ausfällt und damit Körper und Psyche auf Dauer weniger belastet.

Die Verlockung ist nach dem Lesen dieser Studie groß, sich auf anstrengende Kundengespräche, wichtige Vorträge oder ähnlich fordernde berufliche Situationen mit einem beherzten Biss in die (dunkle) Schokoladentafel vorzubereiten, anstatt mit zeitraubenden und anstrengenden Körperertüchtigungen. Leider ist das nicht so einfach. Erstens wurde hier nur die akute Wirkung des Kakaos erhoben. Ob der Schokoladenverzehr auch bei chronischem Stress hilfreich ist, bleibt noch zu erforschen. Zweitens gibt es schließlich noch weitere gesundheitsrelevante Faktoren neben einer verminderten Stressreaktion. Und diese finden wir leider nicht im regelmäßigen Schokoladenkonsum, sondern zum Beispiel durch regelmäßige körperliche Aktivität.

Übrigens tummeln sich die Flavonoide nicht nur in der Schokolade: Auch Äpfel, Zwiebeln, grüner Tee, Rotwein und einige weitere Lebensmittel enthalten diese Pflanzenstoffe. Mit welchem dieser flavonoidhaltigen Nahrungsmittel Sie nun in den Tag starten möchten, bleibt Ihnen natürlich selbst überlassen! Eine gesunde Ernährung Eine gesunde Ernährung sollten Sie natürlich trotzdem nicht vernachlässigen.

Autor: Daniel Fodor

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Häufig gestellte Fragen zur GBPsych-Dokumentation

Was muss bei der GBPsych dokumentiert werden?

Vier Bestandteile: Ergebnisse, Maßnahmen, Durchführungs- und Wirksamkeitskontrolle.

Gemäß §6 ArbSchG müssen vier Bestandteile dokumentiert werden: die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung nach Bereichen und Belastungsdimensionen, die festgelegten Maßnahmen mit Verantwortlichen und Fristen, die Überprüfung der Durchführung sowie die Überprüfung der Wirksamkeit. Eine Dokumentation, die nur den Befragungsprozess, nicht aber Maßnahmen und Wirksamkeitskontrolle enthält, ist nach §6 ArbSchG unvollständig.

Wie lange muss die GBPsych-Dokumentation aufbewahrt werden?

Mindestens 5 Jahre nach Abschluss eines GBPsych-Zyklus.

Das ArbSchG nennt keine exakte Frist. In der Praxis haben sich mindestens 5 Jahre nach Abschluss eines GBPsych-Zyklus als Standard etabliert. Bei Erkrankungen mit möglichem Arbeitsbezug gelten analog zu Berufskrankheitenregelungen bis zu 30 Jahre. Empfehlenswert ist eine digitale Ablage mit automatischer Versionierung und Zeitstempel.

Ist eine Excel-Tabelle als GBPsych-Dokumentation ausreichend?

Formal ja, praktisch oft problematisch.

Rechtlich ist jedes Format zulässig, das schriftlich oder in vergleichbarer Weise elektronisch vorliegt (§6 ArbSchG). Eine Excel-Tabelle ist also formal erlaubt, muss aber alle vier Pflichtbestandteile vollständig enthalten, und nachträgliche Änderungen müssen erkennbar sein. In der Praxis scheitern Excel-Dokumente oft an Versionsproblemen und fehlender Wirksamkeitskontrolle.

Was passiert, wenn die GBPsych-Dokumentation bei einer Kontrolle fehlt?

Bußgelder bis zu 30.000 Euro nach §25 ArbSchG sind möglich.

Fehlende oder unvollständige Dokumentation gilt als Verstoß gegen §6 ArbSchG. Die Gewerbeaufsicht oder Berufsgenossenschaft kann Mängelhinweise, Verwarnungen oder Bußgelder bis zu 30.000 Euro nach §25 ArbSchG aussprechen. Bei wiederholten Verstößen oder Unfällen können die Konsequenzen erheblich größer ausfallen.

Mehr zu Strafen und Bußgeldern
Muss die GBPsych digital dokumentiert werden oder reicht Papier?

Beide Formate sind erlaubt, digital hat klare Praxisvorteile.

§6 ArbSchG verlangt eine schriftliche oder vergleichbar elektronische Dokumentation, beide Formate sind also zulässig. Entscheidend ist, dass die Dokumentation jederzeit zugänglich, dauerhaft lesbar und gegen unbemerkte nachträgliche Änderungen geschützt ist. Digitale Lösungen bieten Durchsuchbarkeit, Zugriffsrechte, automatische Fristenerinnerung und eine lückenlose Versionshistorie, Papierablage ist erlaubt, aber fehleranfälliger.

Welche Rechte hat der Betriebsrat bei der GBPsych-Dokumentation?

Der Betriebsrat hat ein Einsichtsrecht nach §80 BetrVG.

Der Betriebsrat hat nach §80 BetrVG ein Einsichtsrecht in die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung, die gewählte Ablageform muss dieses praktisch ermöglichen. Zusätzlich besteht bei der Ausgestaltung des Verfahrens eine Mitbestimmung nach §87 BetrVG. Die Einbindung des Betriebsrats sollte selbst dokumentiert werden, da fehlende Nachweise dazu bei Kontrollen als Mangel gewertet werden können.

GB Psych und Betriebsrat
Gilt die Dokumentationspflicht auch für Betriebe unter 10 Beschäftigten?

Ja, die bisherige Ausnahme entfällt ab 2025/2026 schrittweise.

Die Dokumentationspflicht nach §6 ArbSchG gilt grundsätzlich für alle Betriebe mit mindestens einem Beschäftigten. Für Betriebe mit bis zu 10 Beschäftigten galt bislang eine vereinfachte Ausnahmeregelung, die 2025/2026 schrittweise entfällt. Damit müssen sich auch kleine Betriebe auf eine vollständige, nachvollziehbare Dokumentation einstellen.

Mehr zur GBPsych-Pflicht 2026
Wann muss die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft werden?

Laut BAuA spätestens 12–18 Monate nach Maßnahmeneinführung.

Die Wirksamkeitskontrolle ist der am häufigsten übersprungene Bestandteil, ohne ihn ist die GBPsych nach §6 ArbSchG unvollständig. Die BAuA empfiehlt, die Überprüfung spätestens 12–18 Monate nach Einführung einer Maßnahme durchzuführen, etwa über eine Nachbefragung, ein Feedbackgespräch oder ein erneutes Assessment in der betroffenen Gruppe, jeweils mit dokumentiertem Ergebnis.

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