COPSOQ (Copenhagen Psychosocial Questionnaire): Definition, Aufbau und Versionen

Copsoq - Definition, Aufbau und Versionen

Der COPSOQ ist eines der am weitesten verbreiteten Instrumente, um psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu messen. Allein die Referenzdatenbank der Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW) enthält die Angaben von mehr als 630.000 Beschäftigten. Wer eine psychische Gefährdungsbeurteilung plant, stößt früher oder später auf diesen Namen. Was steckt dahinter, was misst der Fragebogen, und in welcher Version liegt er heute vor?

Verfasst von Dr. Daniel Fodor

Auf einen Blick

  • Der COPSOQ (Copenhagen Psychosocial Questionnaire) ist ein wissenschaftlich validierter Fragebogen zur Erfassung psychischer Belastungen und Beanspruchungen bei der Arbeit. In Deutschland wird er von der FFAW bereitgestellt.
  • Die aktuelle Fassung ist der COPSOQ III. Die deutsche Standardversion umfasst rund 86 Fragen zu etwa 33 Skalen und dauert im Median rund 18 Minuten.
  • Gemessen werden Anforderungen, Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten, soziale Beziehungen und Führung sowie die daraus folgenden Beanspruchungen wie Zufriedenheit oder Gesundheit. Ein klinisches Diagnoseverfahren ist er nicht.
  • Feste Schwellenwerte kennt der COPSOQ nicht. Ergebnisse werden an den Vergleichswerten der FFAW-Datenbank eingeordnet.
  • Der COPSOQ ist eines von mehreren validierten Verfahren, neben dem KFZA, dem BASA II und dem DearEmployee Survey. Welches passt, hängt von der Situation im Unternehmen ab.

Was ist der COPSOQ?

Der COPSOQ (Copenhagen Psychosocial Questionnaire) ist ein standardisierter Fragebogen, mit dem sich psychosoziale Faktoren am Arbeitsplatz systematisch erfassen lassen: die Bedingungen der Arbeit und ihre Wirkung auf die Beschäftigten. Er funktioniert als Screening-Instrument und verschafft einen breiten Überblick über die psychische Belastungssituation in einer Organisation.

In Deutschland stellt die Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW) die jeweils aktuelle Fassung bereit. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) führt den COPSOQ als geeignetes Instrument für die psychische Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz, und er deckt die inhaltlichen Empfehlungen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) ab.

Woher der COPSOQ kommt

Entwickelt haben den Fragebogen Tage S. Kristensen und Vilhelm Borg um das Jahr 2000 am dänischen Arbejdsmiljøinstituttet in Kopenhagen. Ihr Ziel war ein Instrument, das psychosoziale Belastungen berufsübergreifend und über Branchen hinweg erfasst, auf anerkannten arbeitswissenschaftlichen Modellen beruht und frei verfügbar ist.

Eine deutsche Version gibt es seit 2003. Die FFAW erprobte und validierte sie zwischen 2003 und 2005 im Auftrag der BAuA (Nübling et al. 2005). Später übernahm das internationale COPSOQ-Netzwerk die Weiterentwicklung. Seitdem ist die FFAW das nationale COPSOQ-Team für Deutschland und im Steering Committee des Netzwerks vertreten, dem unter anderem Gruppen aus Schweden, Frankreich, Spanien und Chile angehören.

Aufbau: Was der COPSOQ misst

Inhaltlich folgt der COPSOQ einem Ursache-Wirkungs-Modell: Arbeitsbedingungen wirken auf das Befinden und die Gesundheit der Beschäftigten. Theoretisch stützt er sich auf etablierte arbeitspsychologische Modelle, darunter das Demand-Control-Support-Modell, das Effort-Reward-Imbalance-Modell und das Job-Demands-Resources-Modell.

Die Fragen verteilen sich auf mehrere thematische Bereiche:

  1. Anforderungen der Arbeit, etwa Arbeitstempo sowie quantitative und emotionale Anforderungen.
  2. Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten, also Handlungsspielraum, Einfluss auf die eigene Arbeit und Lernchancen.
  3. Soziale Beziehungen und Führung, darunter Unterstützung, Feedback, Rollenklarheit und Führungsqualität.
  4. Auswirkungen und Beanspruchungen, zum Beispiel Arbeitszufriedenheit, Gesundheit, Burnout-Symptome oder die Absicht, den Job zu wechseln.

Neuere Fassungen haben Themen ergänzt, die die veränderte Arbeitswelt abbilden: die räumliche und zeitliche Entgrenzung der Arbeit (etwa ständige Erreichbarkeit), physische Anforderungen, Vertrauen und Gerechtigkeit sowie Arbeitsengagement. Für spezielle Fragestellungen gibt es Zusatzmodule, beispielsweise zu sexueller Belästigung oder zum Homeoffice.

Die deutsche Standardversion umfasst rund 85 Fragen, die zu etwa 30 Skalen gebündelt werden. Je nach Quelle, Version und Modulauswahl schwankt die genaue Zahl. Das Ausfüllen dauert im Median rund 18 Minuten. Jede Antwort wird auf einer fünfstufigen Skala in einen Wert zwischen 0 und 100 Punkten übersetzt; der Skalenwert ergibt sich als Mittelwert der zugehörigen Fragen.

Feste Schwellenwerte, ab denen ein Wert als kritisch gilt, gibt es nicht. Stattdessen unterhält die FFAW eine Referenzdatenbank mit den anonymisierten Angaben mehrerer hunderttausend Beschäftigter, an der sich die Ergebnisse einer einzelnen Befragung einordnen lassen. Was eine gute Frage in einem Befragungsinstrument ausmacht, ordnet unser Beitrag zum GB-Psych-Fragebogen ein.

Versionen: vom COPSOQ I zum COPSOQ III

Den COPSOQ gibt es in mehreren Generationen. Auf die erste validierte deutsche Version von 2005 (COPSOQ I) folgten der COPSOQ II und schließlich der COPSOQ III, den das internationale Netzwerk 2019 veröffentlichte. Die Messqualitäten der deutschen Standardversion des COPSOQ III prüften Lincke und Kolleg:innen in einer Validierungsstudie von 2021.

Damit verschiedene Länder ihre Ergebnisse vergleichen können, hat das Netzwerk einen verpflichtenden Kern definiert: 28 sogenannte CORE-Items zu 17 Themen, die jede nationale Version enthält. Darüber hinaus ergänzt jedes Team weitere Fragen, die im eigenen Kontext am besten messen. International liegt der COPSOQ zudem in unterschiedlichen Längen vor, von einer kurzen Fassung bis zu einer ausführlichen Langversion.

Wer nach „COPSOQ 2026″ oder einer ganz neuen Nummer sucht: Eine Version IV gibt es nicht. Die aktuelle Generation ist der COPSOQ III, regelmäßig um neue Themen ergänzt. Ein Jahrgang im Suchfeld meint also schlicht die heute eingesetzte Fassung.

Der COPSOQ ist eines von mehreren Verfahren

Der COPSOQ ist gut etabliert, aber er ist nicht das einzige anerkannte Instrument für die psychische Gefährdungsbeurteilung. Daneben stehen unter anderem der KFZA (ein kurzes Screening), der BASA II und der DearEmployee Survey: ein eigenständiges, an der FU Berlin entstandenes und im Dorsch, dem Lexikon der Psychologie, gelistetes Verfahren, das etablierte Skalen wie den COPSOQ integriert und mit eigenen, validierten Modulen darüber hinausgeht. Keines dieser Verfahren ist der Standard, an dem die anderen scheitern. Sie haben unterschiedliche Profile.

Welches Instrument passt, hängt von der Situation ab. Für den COPSOQ sprechen oft seine Bekanntheit als öffentlich anerkanntes Standardverfahren, eine als neutral wahrgenommene Außenperspektive für den Betriebsrat oder die Nennung eines etablierten Verfahrens in einer Ausschreibung. Für ein adaptives, modulares Vorgehen mit enger Verzahnung von Befragung und Maßnahmen spricht eher der DearEmployee Survey. Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du im Beitrag DearEmployee im Vergleich mit dem COPSOQ. Welche Methoden grundsätzlich infrage kommen, also Fragebogen, Workshop oder Beobachtung, ordnet der Methodenvergleich ein.

Wie DearEmployee mit dem COPSOQ arbeitet

Bei DearEmployee ist der Fragebogen die Variable und die Plattform die Konstante. Über dieselbe Software lässt sich der COPSOQ erheben, auswerten und in konkrete Maßnahmen übersetzen, mit der gleichen Analyse- und Maßnahmenlogik, die auch für den DearEmployee Survey gilt. Welches Instrument ein Unternehmen wählt, entscheidet es selbst; künftig kommen weitere hinzu, etwa der KFZA.

Der Mehrwert liegt in der Ebene über dem Fragebogen: in der Auswertung, der Priorisierung und der Umsetzung von Maßnahmen. Wie das auf der DearEmployee-Plattform aussieht, zeigen wir auf Wunsch in einer kurzen Demo.

Häufige Fragen (FAQ)

Was misst der COPSOQ?

Der COPSOQ erfasst psychosoziale Faktoren der Arbeit: Anforderungen, Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten, soziale Beziehungen und Führung sowie deren Auswirkungen wie Zufriedenheit, Gesundheit oder Wechselabsicht. Er bewertet die Arbeitsbedingungen, nicht die Persönlichkeit einzelner Personen.

Wie lange dauert eine COPSOQ-Befragung?

Die deutsche Standardversion des COPSOQ III dauert im Median rund 18 Minuten. Mit Zusatzmodulen kann es etwas länger werden.

Welche COPSOQ-Version ist aktuell?

Aktuell ist der COPSOQ III. Eine Version IV existiert nicht; die Fassung wird vom internationalen COPSOQ-Netzwerk und der FFAW laufend gepflegt.

Ist der COPSOQ für die psychische Gefährdungsbeurteilung geeignet?

Ja. Die BAuA listet den COPSOQ als geeignetes Instrument, und er deckt die inhaltlichen Empfehlungen der GDA ab. Den rechtlichen Rahmen erklären wir im Beitrag zum § 5 Arbeitsschutzgesetz.

Ist der COPSOQ kostenlos?

Der Fragebogen ist wissenschaftlich dokumentiert und grundsätzlich offen einsehbar. Für eine professionelle Befragung mit Auswertung und Vergleichswerten fallen je nach Anbieter und Umfang Kosten an.

COPSOQ oder DearEmployee Survey?

Das hängt von deiner Ausgangslage ab. Geht es um ein öffentlich bekanntes Standardverfahren und eine neutrale Außenperspektive, kann der COPSOQ passen. Geht es um ein adaptives, modulares Vorgehen mit enger Maßnahmenanbindung, eher der DearEmployee Survey. Eine Gegenüberstellung beider Verfahren hilft bei der Einordnung.

Nächster Schritt

Du willst psychische Belastungen in deinem Unternehmen messen und überlegst, welches Verfahren passt? Auf der GB-Psych-Seite siehst du, wie die Durchführung auf der DearEmployee-Plattform abläuft, und kannst eine kurze Demo buchen.

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